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Demografie, Teil 2: Wie Sie von den anstehenden Veränderungen profitieren

Wie Sie im ersten Teil gesehen haben, dürfte die demografische Entwicklung das künftige Wirtschaftswachstum einschränken. Warum drehen Sie also den Spieß nicht einfach um? Suchen Sie gezielt nach Branchen und nach Unternehmen, die von der Alterung der Bevölkerung profitieren. Wir reden hier nicht über die kurzfristige Spekulation, sondern über Trends, die mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte brauchen werden, um sich zu entwickeln. Doch das Thema Demografie wird an den Finanzmärkten in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Anleger werden gezielt nach Profiteuren suchen und deren Kurse werden steigen, lange bevor sich der demografische Wandel in Heller und Pfennig bemerkbar macht.

Wenn die Zahl der Alten wächst, dann müssen wir uns fragen: Wer verdient Geld mit der alternden Bevölkerung? Je älter wir werden, desto häufiger sind wir in der Regel auf ärztliche Hilfe angewiesen. Da der Allgemeinarzt um die Ecke nicht an der Börse notiert ist, bleiben zwei Möglichkeiten: private Krankenhausketten und Pharmahersteller. Beide haben allerdings das Problem, dass sie ihr Einkommen in der Regel nicht direkt von den Patienten beziehen, sondern von den zwischengeschalteten Versicherungenund hier insbesondere von gesetzlichen Versicherungen bzw. von staatlichen Gesundheitssystemen, wie in den USA.

Im Zeitalter der steigenden Staatsverschuldung ist damit zu rechnen, dass die Leistungsfähigkeit dieser Versicherungen sinkt. Im Gesundheitssektor dürfte sich also eine Tendenz verstärken, die wir heute bereits sehen: Zunahme der Patienten, aber gleichzeitig Preisdruck von staatlichen Stellen, die die Rechnungen bezahlen müssen. Für den Gesundheitssektor gilt daher: Er ist zwar grundsätzlich interessant. Allerdings wird er vermutlich das Potenzial, das die Alterung der Gesellschaft mit sich bringt, nicht eins zu eins in zusätzliche Gewinne ummünzen können.

Bleibt die Suche nach Nischen innerhalb des Gesundheitssektors, die sich dem Preisdruck entziehen können. Neue, bahnbrechende Medikamente oder Therapien könnten dies schaffen. Aber ganz ehrlich: Trauen Sie sich zu, zu sagen, welche der Hunderte oder Tausende von neuen Wirkstoffen, die sich derzeit in der Erforschung befinden, das Zeug zum Blockbuster hat? Ich nicht. Interessant könnten allerdings Aktien von Generikaherstellern werden. Diese Unternehmen produzieren preisgünstige Nachahmer-Medikamente, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Sie profitieren somit sowohl von der Alterung der Gesellschaft als auch von der zunehmenden Preissensitivität.

Bleiben noch die Trends, die wir alle täglich beobachten können und bei denen einfach der gesunde Menschenverstand gefragt ist. Ein Beispiel ist mir besonders ins Auge gesprungen, ohne dass ich wirklich weiß, ob man damit als Anleger tatsächlich Geld verdienen kann. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie viele Menschen heutzutage mit Kopfhörern durch die Gegend laufen? Haben Sie nicht auch schon öfter in der Straßenbahn neben einem Teenager gesessen, der seine Musik so laut gedreht hatte, dass Sie trotz seiner Kopfhörer problemlos mithören konnten?

Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, aber bei mir lässt das nur einen Schluss zu: Wir werden demnächst zu einem Volk von Schwerhörigen. Und was brauchen Schwerhörige? Richtig, Hörgeräte. Das »Schöne« dabei ist, dass in diesem Fall zwei Faktoren wirken. Die steigende Zahl der Alten, von denen naturgemäß ein Teil Hörgeräte brauchen wird. Nennen wir das mal die »strukturelle« Schwerhörigkeit. Und die Jungen, die sich ganz freiwillig und eigentlich vor der Zeit ihr Gehör mit 120 Dezibel Musik aus dem mp3-Player auslöschen. Beide Gruppen werden zu potenziellen Kunden für die Hörgeräte-Industrie. Einige große Anbieter dieser Branche sind übrigens börsennotiert, zum Beispiel das Schweizer Unternehmen Sonova.

Andere Branchen, auf die wir bei der Suche nach Profiteuren des demografischen Wandels stoßen, sind beispielsweise Touristik und Unterhaltung. Allerdings gilt es auch dort genau abzuwägen, ob den positiven Faktoren der zunehmenden Alterung nicht gegenläufige negative Faktoren gegenüberstehen. In diesem Fall kann man beispielsweise argumentieren, dass die erwartete zunehmende Verarmung des Staates und größerer Teile der Bevölkerung das Kundenpotenzial für Reise- und Entertainmentangebote schmälert.

Insgesamt erscheint es recht schwierig, in einem schwachen Aktienmarkt in Europa und den USA, den ich für die Zeit nach 2013 erwarte, jene Branchen herauszupicken, die sich positiv entwickeln. Es kann klappen, aber vermutlich nur dann, wenn man sich intensiv mit den jeweiligen Branchen und Unternehmen beschäftigt. Aussichtsreicher erscheint mir deshalb eine zweite Variante, die ich Ihnen im dritten Teil ans Herz legen möchte.

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