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Demografie, Teil 1 – warum das Wachstum begrenzt ist

Sieht so die Zukunft in Deutschland aus? Erzieherinnen, die sich in einem Kindergarten noch mit Ende 60 um die Kleinen kümmern und selbst schon Urgroßmütter sind. Ein Busfahrer, der nach bald 50 Arbeitsjahren immer noch Tag für Tag am Steuer sitzt. Die Erhöhung des Rentenalters in Deutschland auf 67 Jahre ist bei weitem noch nicht in die Praxis umgesetzt, da beginnt schon eine neue Runde der Diskussion. Die EU-Kommission nennt in einem Strategiepapier eine Ausdehnung des Erwerbslebens als eine Voraussetzung, um auf die demographischen Veränderungen in Europa zu reagieren. Von einem Renteneintrittsalter von bis zu 70 Jahre ist die Rede – ohne, dass sich die EU-Studie jedoch auf eine konkrete Zahl festlegt.

Zwar gibt es auch andere Möglichkeiten, doch diese klingen auch nicht vielversprechender: Weniger Rente ist die eine Alternative. Deutlich höhere Beiträge die andere. Die Probleme liegen offen vor uns: Die Zahl der Erwerbstätigen und damit der Beitragszahler in die soziale Rente und Krankenversicherung schrumpft. Die Zahl der Rentner steigt. Die Lebenserwartung steigt, es gibt immer mehr Ältere. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Geburten. In Deutschland bekommt jede Frau durchschnittlich zwischen 1,3 und 1,4 Kinder – eine Zahl, die seit etlichen Jahren weitgehend unverändert ist. Das sind nur zwei Drittel dessen, was nötig wäre, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten.

Das bedeutet, dass jede Generation zahlenmäßig um etwa ein Drittel kleiner ist als die Generation ihrer Eltern. Oder anders ausgedrückt: 100 Angehörige der Elterngeneration haben noch 65 Kinder, 42 Enkel und 27 Urenkel. Ein mächtiger Schrumpfungsprozess. Wer glaubt, dass die Schwierigkeiten der sozialen Systeme in Deutschland ein Problem sind, das uns erst in ferner Zukunft treffen wird, der sollte genauer hinschauen. Schon heute fließen sagenhafte 45 Prozent der Steuereinnahmen des Bundes als Subvention in die Kassen der Rentenversicherung und der Krankenversicherung. Man kann nur erahnen, wie schnell diese Subventionierung in Zeiten steigender Staatsschulden (und damit steigender Zinszahlungen) und gleichzeitig sich rapide verschlechternder Demographie an ihre Grenzen stößt.

Noch ein zweiter Punkt ist zu berücksichtigen, wenn wir uns die Folgen der demographischen Entwicklung vor Augen führen: Die Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums in Deutschland sind vorbei. Denn Wirtschaftswachstum beruht im Wesentlichen auf zwei Faktoren: einer wachsenden Bevölkerung und steigender Produktivität. Letztere mag auch in den nächsten Jahren noch Spielraum nach oben haben. Doch die Einwohnerzahl – soviel steht fest -  wird sinken. Nun mag man anführen, dass Deutschland doch ein exportorientiertes Land sei und damit nicht auf das Wachstum der eigenen Bevölkerung angewiesen sei. Das Problem ist aber: In den meisten Industrieländern sieht das Bild ähnlich aus. Sei es Japan, Europa oder die USA: überall stehen die Regierungen vor einem ähnlichen Problem.

Unwahrscheinlich, dass die weiter wachsenden Staaten in Südostasien, Südamerika oder Afrika demnächst in die Bresche springen und den Rückgang der Nachfrage ausgleichen. Wetten würde ich darauf jedenfalls nicht.

Mehr zum Thema in meinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“.

2 Antworten zu “Demografie, Teil 1 – warum das Wachstum begrenzt ist”

  1. Karl
    20. Nov, 2011 at 23:04 #

    Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß der Scheitelpunkt in der
    Lebenserwartung da ist. Krugmann hat in seinem Blog das nachgerechnet, auf telepolis finden sich etliche Beiträge dazu.
    -> die Reichen leben länger, die Armen kürzer.
    Damit ist das Gejammer über das immer teurere Rentensystem wohl hinfällig, aber auch die Erwartungen an einen künftig boomenden Seniorenmarkt…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Demografie, Teil 2: Wie Sie von den anstehenden Veränderungen profitieren | Roland Klaus - 12. Nov, 2011

    [...] Sie im ersten Teil gesehen haben, dürfte die demografische Entwicklung das künftige Wirtschaftswachstum [...]

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