Konjunktur und Wirtschaftspolitik

Viele frische Franken – wie die Schweizer ihre Stabilität aufs Spiel setzen

Die Schweizer machen ernst. Die Notenbank hat massiv in den Devisenhandel eingegriffen. Sie hat angekündigt, so viele Schweizer Franken gegen Euro zu verkaufen, dass der Wechselkurs zum Euro nicht mehr unter 1,20 Franken fällt. Damit reagiert die Notenbank auf die Flucht vieler Anleger in den Schweizer Franken, der die Währung zuletzt auf ein Rekordhoch getrieben hatte.

Was zunächst wie Notwehr der Notenbanker zum Schutz der Schweizer Exporteure und der Tourismusindustrie aussieht, ist bei näherer Betrachtung auch ein Armutszeugnis. Denn die Schweizer Nationalbank kettet den soliden Schweizer Franken durch diesen Schritt an den maroden Euro. Sie wird damit – zumindest übergangsweise – quasi zum Euro-Mitglied und gibt damit viele Vorteile einer aufwertenden Währung aus der Hand.

Denn ein Land, das eine starke Währung aufweist, hat viele Pluspunkte auf seiner Seite: Beispielsweise den relativen Vermögenszuwachs seiner Bevölkerung. Wer Schweizer Franken besitzt, der kann damit ausländische Waren günstiger einkaufen – er bekommt also bei fortschreitender Aufwertung immer mehr für sein Geld.

Aus dem gleichen Grund ist eine starke Währung ein guter Schutz vor Inflation. Importierte Waren werden tendenziell immer billiger. Preisdruck kann – wenn überhaupt – nur aus dem Inland entstehen.

Genau das ist das längerfristige Risiko des heutigen Schrittes. Denn um den Kurs des Schweizer Franken zum Euro zu deckeln, müssen die Zentralbanker künftig frisches Geld in rauen Mengen drucken. Viele Markteilnehmer werden testen, wie ernst es die SNB tatsächlich meint.  Sie reizt damit nicht nur die Hedge-Fonds. Wenn diese Investoren auf der Bühne auftauchen, wird die Notenbank viele, viele frische Franken drucken müssen. Dieses Geld wird irgendwo wieder auftauchen – möglicherweise wird es in Schweizer Staatspapieren angelegt, möglicherweise in Schweizer Aktien oder Immobilien. Und früher oder später auch in Waren und Gütern der realen Wirtschaft. Die Inflation ist derzeit in der Schweiz sehr niedrig. Nun allerdings könnte sie deutlich steigen.

Das letzte Mal, dass die Schweizer einen ähnlichen Schritt unternommen haben, mussten sie einen hohen Preis dafür bezahlen. Vor rund 30 Jahren ketteten die Eidgenossen den Franken bereits einmal an die D-Mark, um eine Aufwertung von verhindern. Drei Jahre später gab es in der Schweiz eine Inflation von mehr als 6 Prozent.

Kein Wunder also, dass manche den Schritt der Schweizer Notenbank auch als eine Enteignung der eigenen Bevölkerung bezeichnen. Denn durch eine erzwungene Abwertung des Franken wird Vermögen der eigenen Bevölkerung vernichtet und die Gefahr einer Inflation erhöht.

Anleger aus dem Euro-Raum, die auf der Suche nach einem stabilen Hafen für ihr Geld sind, sollten daher erst einmal abwarten, wie sich die Situation in der Schweiz entwickelt. Zwar bekommen sie den Franken nun rund zehn Prozent billiger. Dafür hat die Währung allerdings auch viel von ihrem Charme der Stabilität verloren.

Verschenken Sie mein Buch mit einem Geschenkgutschein:

Tags: , ,

Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Name (benötigt)

eMail (wird nicht veröffentlicht) (benötigt)

Webseite