Konjunktur und Wirtschaftspolitik

Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen? – Die richtige Anlagestrategie für die Deflation

Von vielen Seiten wird derzeit auf Anleihen als Geldanlage eingedroschen. Die Renditen seien angesichts der drohenden Inflation viel zu niedrig, heißt es. Zudem drohe bei weniger soliden Schuldnern ein Zahlungsausfall. Das ist soweit auch alles richtig. Wer vom Inflationsszenario fest überzeugt ist, sollte von länger laufenden Anleihen die Finger lassen. Bestenfalls ein paar kurz laufende Papiere gehören dann als Liquiditätspolster ins Depot.

Aber was ist, wenn die große Inflation ausbleibt? Wenn wir stattdessen auf japanische Verhältnisse einschwenken, eine lang andauernde Rezession bzw. Stagnation und gleichzeitig Deflation bzw. Nullinflation? Dieses Szenario würde eher eine Abkehr von Sachwerten nahelegen. Anleihen wären in diesem Szenario – selbst bei Niedrigzinsen – eine durchaus vernünftige Geldanlage.

Die Frage lautet dann Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen? Grundsätzlich gilt:

Die richtige Anleihe auszuwählen bedeutet höchste Sorgfalt in Bezug auf Bonität. Leider sind die klassischen Rating-Agenturen, deren Aufgabe genau diese Bewertung der Kreditwürdigkeit ist, nur bedingt hilfreich.

Zu sehr haben sich Moody´s und S&P in den vergangenen Jahren mit ganz offensichtlich interessengesteuerten Ratings ihren Ruf kaputtgemacht. Wer hochriskante verbriefte Hypothekenpapiere mit der Bestnote AAA versieht, der muss sich nicht wundern, wenn das Vertrauen schwindet. Auch bei der Betrachtung der heutigen Ratings für Staatsanleihen wird einem schwindlig. Für die USA vergibt immerhin noch Moody´s die Höchstnote AAA – und das trotz eines zweistelligen Haushaltsdefizits, einer Staatsverschuldung in Höhe des Bruttoinlandsprodukts und weit offen stehenden Geldschleusen der Notenbank. Unter solide und bonitätsstark verstehe ich etwas anderes.

Für einen interessanten und unabhängigen Ratgeber im Bereich der Staatsanleihen halte ich die kleine US-Analysefirma Weiss Research. Sie hat im Mai 2011 erstmals eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit für 47 Staaten veröffentlicht. Die Ergebnisse weichen dabei teilweise sehr deutlich von den Bewertungen der großen Ratingagenturen ab. So stuft Weiss Research die USA nur auf Platz 33 ein – hinter Mexiko, Bulgarien und Russland! Auch Deutschland landet nur im Mittelfeld – deutlich geschlagen von Ländern wie Malaysia und Thailand.

Weiss Research stützt seine Bewertungen auf folgende Faktoren: Verschuldung, Stabilität, makroökonomische Faktoren und Finanzmarktzugang. Auch wenn ich bei einigen seiner Bewertungen durchaus stutze (Länder wie Russland schneiden meiner Meinung nach angesichts ihrer demografischen und politischen Lage zu gut ab), so finde ich, dass Weiss insgesamt ein wesentlich treffenderes Bild der Kreditrisiken von Staatsanleihen zeichnet als die großen Ratingagenturen.

Wer als auf der Suche nach soliden Schuldnern für unser Deflationsszenario ist, der sollte sich die folgende Grafik genau anschauen. Die gering verschuldeten und schnell wachsenden Länder Asiens erhalten die besten Bewertungen, gefolgt von den stabilen Musterknaben Europas. Völlig zurecht schneiden dabei die Länder außerhalb des Euros besser ab, da sie vor den Begehrlichkeiten einer Transferunion weitgehend geschützt sind. Solche relativ kleinen, aber feinen Schuldner wie Norwegen, Schweden und die Schweiz halte ich für sehr sicher.

Weiss Rating Staatsanleihen

Während bei Staatsanleihen gerade kleine Schuldner ihren Charme haben, sollten Sie bei Unternehmensanleihen eher nach großen, multinationalen und konjunkturunempfindlichen Gesellschaften Ausschau halten. Denn in einer Deflation dürften zyklische Unternehmen in Schwierigkeiten geraten.

Entscheidend sind daher vor allem die Unternehmensqualität und die Stabilität des Geschäfts. Wenn Sie eine Unternehmensanleihe kaufen, dann spielt es für Sie keine Rolle, ob das Unternehmen künftig seinen Gewinn verdoppeln oder verdreifachen kann. Für Sie zählt letztlich nur: Wird das Unternehmen in der Lage sein, meine Anleihe Zinsen zurückzuzahlen? Die Gewinn- und Wachstumsperspektiven spielen also eine untergeordnete Rolle, der Fokus richtet sich auf das Risiko. Kapitalstarke Unternehmen aus dem Nahrungsmittel- oder Energiesektor wie beispielsweise Nestlé, McDonald´s, Coca Cola oder Exxon sollten selbst in einer solchen Krise auch langfristig in der Lage sein, ihre Schulden zu bedienen.

Mehr zum Thema in meinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“

Eine Antwort zu “Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen? – Die richtige Anlagestrategie für die Deflation”

  1. Andreas Mann
    18. Sep, 2013 at 11:00 #

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich ebenfalls intensiv mit dieser Thematik, vor allem jedoch mit dem Anleihenmarkt, beschäftig. Dazu kann ich nur sagen, dass dieser in der Regel stark unterschätzt wird. Viele Menschen sind sich über die immense Bedeutung von Anleihen nicht bewusst. Im Hintergrund stellt der Anleihenmarkt die Hauptfinanzierungsquelle für Unternehmungen dar. Zeitgleich ist er der größte Markt der Geldanlage. Das Anlagevolumen welches im globalen Anleihenmarkt steckt, übertrifft das Welt-BIP bei weitem. Anleihen stellen sicherlich eine interessante Möglichkeit zur Geldanlage dar, man darf hierbei jedoch nicht auf die zwei Hauptrisiken vergessen. Dem Zinsrisiko, welches gerade in der aktuellen Zeit immer aktueller wird, sowie dem Emittentenrisiko. Dieses Risiko wird in der Regel vollkommen unterschätzt. Wenn man zukünftig vor einem Anleihenkauf vor allem auf dem Emittenten achtet und nicht von der Gier nach Verzinsung sich beeinflussen lässt, stellen auch sicherlich zukünftig eine gute Art zur Geldanlage dar.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Name (benötigt)

eMail (wird nicht veröffentlicht) (benötigt)

Webseite