Private Finanzen

Warum Gold steigt – und was es mit einer Wurst gemeinsam hat

Verfolgt man derzeit die Berichterstattung über Gold als Geldanlage, so fühlt man sich in mancher Hinsicht in die Zeiten des Neuen Marktes zurückversetzt. Ähnlich wie damals ist das Gold nicht nur in aller Munde, es scheint schon fast als eine Art Heilsbringer verklärt zu werden. Während vor gut einem Jahrzehnt jedoch viele davon träumten, reich zu werden, ist es heute eher die Furcht vor Inflation und Wertverlusten, die die Anleger ins Gold treibt.

Schauen wir uns einmal in Ruhe an, was dahinter steckt. Zunächst einmal gilt es, das wichtigste Argument der Goldgegner zu berücksichtigen. Gold ist unproduktiv. Es zahlt keine Zinsen, erwirtschaftet keine Erträge. Im Gegenteil: Wenn man es in Form von Münzen oder Barren bei einer Bank lagert, verursacht es sogar noch Kosten. Der Kauf von Gold kann also letztlich nur zwei Gründe haben: Erstens die Spekulation, es teurer verkaufen zu können. Zweitens die Hoffnung, in einem möglicherweise am Rande des Abgrunds stehenden Finanzsystems einen Anker zu finden, der das eigene Vermögen erhält.

Letztlich ist der Höhenflug des Goldes nichts anderes als ein Ausdruck des fehlenden Vertrauens in unser Geldsystem. Wenn man also den Goldchart spiegelt, so erhält man gewissermaßen eine Aussage darüber, wie sehr die Anleger den Papierwährungen noch vertrauen.

Quelle: Yahoo/Grafik invertiert

Unterstützt wird diese Bewegung dadurch, dass die fehlende Produktivität des Goldes derzeit nicht weiter ins Gewicht fällt. Denn dem Argument „Gold zahlt keine Zinsen“ konnte man in den vergangenen Jahren entgegenhalten: „Na und? Das Sparbuch und Bundesanleihen tun das auch nicht.“ Zumindest nicht, wenn man die realen Zinsen betrachtet, also die Rendite nach Inflation. Die folgende Grafik zeigt uns, dass der massive Kursanstieg des Goldes seit 2002 einher ging mit einer Phase, in der die realen Zinsen in den USA (3 Monats Zins minus Inflation) zumeist negativ waren. Anders gesagt: Wer in kurz laufende festverzinsliche Papiere investierte, dessen Vermögen verlor an Wert. Der Anreiz, den Wert dieses Vermögens durch Gold abzusichern, war also sehr hoch.

Quelle: McClellan

Wer also auf weiter steigende Goldkurse spekuliert, sollte diesen Realzins sehr genau im Auge behalten. Sinkt die Inflation, dann steigt der Realzins aller Wahrscheinlichkeit nach und Gold verliert an Attraktivität.

Wer sich jedoch mit Gold für kommende Krisen und einen möglichen Crash des Finanzsystems absichern will, der kann solche kurzfristigen Überlegungen getrost ignorieren. Er sollte dann jedoch so konsequent sein und die folgenden drei Dinge tun.

Erstens, sein Gold nicht als Investment betrachten, sondern als Versicherung für den Notfall. Das bedeutet, nicht täglich auf den Kurs zu schauen und auch nicht sein ganzes Vermögen darin zu investieren, sondern vielleicht 10 bis 20 Prozent.

Zweitens, das Gold physisch zu kaufen und nicht in Form von Zertifikaten oder Fonds. Und drittens, es so zu lagern, dass es beim Eintreten eines solchen Krisenfalls auch tatsächlich verfügbar ist. Gold bei einer deutschen Bank zu lagern, könnte sich im Krisenfall als genauso sicher erweisen wie eine Wurst von einem Hund bewachen zu lassen.

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